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Farbentheorien im Wandel

Gelb wird meist als Sekundärfarbe physikalischer oder physiologischer Dreifarbentheorien verkannt und vermutlich nur über evolutionäre Betrachtungen ins rechte Licht gerückt. Ebenso erhalten Rot und Grün eine neue Bedeutung, wenn wir den jüngsten Erkenntnissen der biologischen Farbenforschung Beachtung schenken.

Beginnen wir unseren biologischen Zugang zum Farbensehen mit dem Zeitalter der Dinosaurier. Während der vielen Jahrmillionen, in denen sie die Erde beherrschten, lebten die ersten Säugetiere als nachtaktive rattenähnliche Wesen und entwickelten ein Farbensehen, das an die Nacht angepasst war.

Quartär 2 Säugetiere
tagaktiv
Vor ca. 35 Mio. Jahren: Die Primaten erwerben einen dritten Zapfentyp und ein auf Früchte bezogenes Farbenpaar (beim Menschen Rot-Grün). Die übrigen Säugetiere behalten ihre Farbenarmut.
Tertiär 65
Kreide 140 D
i
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r
Säugetiere
nachtaktiv
Die Netzhaut wird für das Nachtsehen optimiert.
Dabei hat sich der Farbenreichtum der Säugetiere möglicherweise zurückgebildet.
-> Nur noch zwei Farbrezeptoren.
Jura 195
Trias 225 Mio. Reptilien-
Vorfahren
Wissenschaftler vermuten, dass die tagaktiven Reptilien-Vorfahren der Säugetiere bereits drei Farbrezeptoren besaßen.


Eine Stäbchen-reiche Netzhaut mit nur 2 Zapfentypen ermöglichte bloß die Empfindung eines einzigen Farbenpaares neben den Urempfindungen Weiß und Schwarz. Es wird vermutet, dass die tagaktiven Vorfahren der Säugetiere bereits 3 Farbrezeptortypen besaßen und ein vielfältiges Farbempfinden aufwiesen.

Von Dinosauriern in die Nacht verbannt, genügte den kleinen Säugern eine Netzhaut mit bloß 2 Zapfentypen. Rätselhaft bleibt, weshalb nicht eine Reduktion auf einen einzigen Zapfentyp stattgefunden hat.
Ein dominanter Zapfentyp M (mittelwellig), dessen Absorptionskurve das Spektrum des sichtbaren Lichts bestimmte, diente für vielfältige Aufgaben. Ein zweiter Zapfentyp K, weniger zahlreich, absorbierte lediglich kurzwelliges Licht und diente primär dem Farbensehen, indem sein Vorhandensein den Vergleich kurzwelliger zu langwelliger Lichter erlaubte.

Nach dem Aussterben der Dinosaurier entwickelten sich die Säugetiere allmählich zu den Herrschern der Erde. Zwar gewannen sie an Größe und Stärke, doch ihre Farbenarmut blieb auf dem Stadium der nachtaktiven Ursäuger bestehen. 

Von allen Säugetieren gelang lediglich den früchtefressenden Primaten (vor ca. 35 Mio. Jahren) der Zugewinn eines neuen Farbenpaares. Offenbar übertreffen bei Früchtefressern die Vorteile eines zusätzlichen Farbenpaares dessen Nachteile. Ein Überlebensvorteil, der bei reinen Pflanzen- oder Fleischfressern weniger zum Tragen kommt.

Säugetiere nachtaktiv

Übergangsphase mit 3 Zapfen ohne zusätzliches Farbenpaar

Früchtebezogenes Farbenpaar Rot-Grün entsteht

Der M-Zapfen spaltete sich in zwei unterschiedliche Zapfentypen M- und L-Zapfen auf. Der dadurch ermöglichte Vergleich zwischen M- und L-Signalen bewirkt die Farbempfindungen Rot und Grün. Dabei steht Grün für chlorophyllhaltige unreife Früchte. Durch dieses neue Farbenpaar kann die mit dem Reifungsprozess einhergehende Abnahme des Chlorophyllgehalts anhand zahlreicher unterschiedlicher Farbnuancen von Grün zu Gelbgrün, Gelb, Orange usw. beurteilt werden.



Die Ur-Bedeutung unserer Grundfarben:
Die Farbe Grün stammt von derjenigen Primatenfarbe ab, die den Früchtefressern signalisierte, dass eine Frucht noch nicht reif ist. Grün steht nicht allgemein für mittelwellige Lichter, sondern ganz spezifisch für dasjenige Licht, das vom Chlorophyll reflektiert wird.
Sowohl die Farbe Blau als auch Gelb sind ernährungsunabhängige Empfindungen. Sie repräsentieren kurzwellige bzw. langwellige Lichter.
Rot und Grün repräsentieren das Neue (das zuletzt entstandene Farbenpaar).
Rot hilft dem Gelb, den mittel- bis langwelligen Teil des Spektrums in zahlreiche unterschiedliche Farbnuancen aufzuteilen, damit der Reifungsprozess der Früchte leichter erkennbar wird. Reife Früchte nehmen meist rotes, oranges oder gelbes Aussehen an, einige können grün bleiben. Allen ist jedoch gemeinsam, dass der Chlorophyllgehalt während des Reifungsprozesses abnimmt. Indem das Chlorophyll-Grün abnimmt, kann die fruchtspezifische Farbe hervortreten. Ohne das Farbenpaar Rot/Grün könnten wir nicht mit dem bloßen Auge erkennen, wie sehr eine Frucht bereits gereift ist.



Mehrere Millionen Jahre sind vergangen seit sich unsere Vorfahren vom Früchtefresser zum Allesfresser entwickelt haben. Weshalb der Allesfresser Mensch den ererbten Farbenreichtum beibehalten hat, darüber kann nur spekuliert werden.

Die evolutionäre - zugegeben wenig romantische - Deutung von Rot und Grün findet nur langsam den Weg in die Lehrbücher der Farbenkunde. Den Anhängern der Dreifarbentheorien fällt es schwer, ihre beliebte These dreier Grundfarben zu hinterfragen und Farbe als polares Phänomen (Farbenpaare) anzuerkennen. Auch die Lehre Darwins setzte sich nur allmählich durch und wurde nicht überall mit offenen Armen aufgenommen. Es bleibt spannend abzuwarten, wie viel Zeit verstreichen wird, bis die Allgemeinheit Grün und Rot als Symbole für unsere Abstammung von Früchtefressern anerkennt.

Ebenso bleibt abzuwarten, wann die Dozenten der Farbenlehre die bisher vielfach verspottete Farbenlehre Goethes in den neuen Kontext der Evolution stellen und neu beurteilen. Hat doch Goethe versucht, die Erklärung der Farbenvielfalt aus den Fesseln der Physik zu befreien und behauptet, die Ursache der Farbenvielfalt sei identisch mit den Ursachen der Vielfalt von Pflanzen und Tieren.

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Ein Beitrag von Reinhold Sölch.
Ein Besuch auf seiner Website
Farbenlehre.com
ist empfehlenswert.

 

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